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Forum Unternehmensrecht: Managerhaftung

IUR Forum Unternehmensrecht

Nachdem die Organhaftung Mitte der 90-er Jahre noch als „stumpfes Schwert“ bzw. „ungelebtes“ Recht galt, bewegt sie nunmehr allein durch den Mannesmann-Prozess die Gemüter großer Teile der Bevölkerung und wird von Juristen in Praxis und Wissenschaft durchaus kontrovers diskutiert.

Prof. Dr. Ulrich Noack, Direktor des Instituts für Unternehmensrecht, hatte damit wieder ein hochaktuelles Thema für die 22. Veranstaltung des Forums Unternehmensrechts ausgewählt. Die Veranstaltung zur Managerhaftung fand so großen Zuspruch, dass der gewohnte große Seminarraum im alten Juridicum zu klein war und in einen Hörsaal ausgewichen werden musste.

Die drei Referenten Dr. Joachim Jahn, FAZ, Frankfurt, PD Dr. Mark Deiters, Westfälische Wilhelms Universität Münster und RA Dr. P.J. Peters, Peters Rechtsanwälte, Düsseldorf, beleuchteten die Managerhaftung sowohl aus zivilrechtlicher als auch aus strafrechtlicher Sicht.

Nach einleitenden Worten von Prof. Dr. Ulrich Noack informierte der Rechts- und Wirtschaftsjournalist Dr. Jahn über den Mannesmann-Prozess, das Strafverfahren der Superlative. Als Beobachter der „1. Runde“ und ebenso der ersten fünf Verhandlungstage des aktuellen Verfahrens vor dem LG Düsseldorf schilderte er insbesondere die Verteidigungsstrategien in dem Strafverfahren über die Ausschüttung der insgesamt 57 Millionen Euro. Er berichtete bereits Donnerstagabend von Signalen einer Verfahrenseinstellung nach § 153 a StPO.


PD Dr. Deiters ging in seinem Vortrag der Frage nach, was die Mannesmann-Entscheidung des 3. Strafsenats beim BGH jenseits der Vergütungspraxis bei Managern für unternehmerisches Handels bedeutet. Angesichts der Unbestimmtheit der gesellschaftsrechtlichen Primärnormen plädierte der Dozent für eine restriktive Auslegung des § 266 StGB.

Mittelpunkt der Ausführungen von Herrn RA Dr. Peters bildete die praktisch immer mehr an Bedeutung gewinnende D & O Versicherung. Zunächst gab Herr Dr. Peters einen kurzen Überblick über die Organhaftung. Sodann schilderte er die aktuelle Rechtsprechung zur D & O Versicherung, und setzte sich mit gelösten und künftigen Rechtsproblemen dieser Versicherung auseinander. Mit viel Interesse verfolgten die Zuhörer den Überblick zu Zahlen und Daten aus der Praxis der D & O Versicherung, den Dr. Peters an hand von Graphiken und Diagrammen gab.

In der sich anschließenden sehr lebhaften Diskussion wurden vor allem die folgenden Fragen erörtert: wer ist im Mannesmann-Verfahren geschädigt? Sind im Rahmen der Subsumtion unter den Tatbestand des § 266 StGB nur die absoluten Zahlen der Auszahlung der Gelder zu betrachten oder ist auch die extreme Wertsteigerung des Börsenwertes zu berücksichtigen (Relativität der Zahlen)? Sind derartige Zahlungen anders zu bewerten bei fortbestehenden Unternehmen? Ist eine Reform des § 266 StGB zu fordern? Ist eine D & O Versicherung tatsächlich sinnvoll?

Über die im nächsten Jahr stattfindenden Veranstaltungen werden wir rechtzeitig informieren. Wer gerne in den E-Mail-Verteiler aufgenommen werden möchte, sende bitte eine E-Mail an .

Bericht verfasst von Dr. Jutta Lommatzsch

Veranstaltungsdetails

23.11.2006, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr
Verantwortlichkeit: