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Forum Unternehmensrecht: Wozu inspiriert Inspire Art?

IUR Forum Unternehmensrecht

Die trotz des schlechten Wetters hervorragend besuchte achte Veranstaltung des von Prof. Dr. Ulrich Noack geleiteten „Forums Unternehmensrecht“ beschäftigte sich mit dem durch die Entscheidungen Centros, Überseering und Inspire-Art verursachten Wettbewerb europäischer Gesellschaftsformen und den Auswirkungen auf das deutsche Gesellschaftsrecht.

In einem Kurzreferat führte Michael Beurskens, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Gewerblichen Rechtsschutz in die englische Rechtsform der „Private Company Limited by Shares (Ltd.)“ ein. Besonders herausgestellt wurden die Unterschiede in der Organisation sowie das Gläubigerschutzsystem, welches auf erhöhter Transparenz statt auf festen Mindestkapitalziffern beruht.

Sodann erörterte Rechtsanwalt Dr. Harald Kallmeyer, Off Counsel Raupach & Wollert-Elmendorff, die im Verhältnis zur GmbH relevanten Vor- und Nachteile der Limited und mögliche wie wünschenswerte Implikationen in der deutschen und europäischen Gesetzgebung. In seinem Vortrag sprach er sich insbesondere für eine Milderung oder Abschaffung des Eigenkapitalersatzrechts aus. Er wies darauf hin, dass im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit persönliche Sicherheiten und das Geschäftsmodell eher entscheidend sind, als die Rechtsform oder die gesetzlichen Kapitalerhaltungsregeln. Kurz ging er auch auf die Probleme der grenzüberschreitenden Verschmelzung ein.

Im Anschluss erörterte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Ulrich Prinz, Flick Gocke Schaumburg die steuerliche Behandlung des Zu- und Wegzugs von Gesellschaften. Hierbei betonte er, dass ausländische Kapitalgesellschaften grundsätzlich wie einheimische behandelt werden, Er wies allerdings auf die Problematik des Erfordernisses einer doppelten Bilanz (Steuerbilanz in Deutschland nach HGB-Grundsätzen, Handelsbilanz in England nach dortigem Bilanzrecht) hin und prognostizierte eine weitere Angleichung dieser Grundsätze.

Schließlich erörterte Rechtsanwalt Dr. Alexander Hirsch, McDermott, Will & Emery, Düsseldorf in seinem Referat die praktische Bedeutung der Limited in Deutschland. Er sah die Entscheidung des EuGH primär als Chance für multinationale Konzerne an, um die Rechtsformen ihrer Töchter unabhängig von deren Verwaltungssitz zu vereinheitlichen. Die Limited hat nach seiner Sicht ebenso wie ihr französisches Pendant bislang in Deutschland nur wenig Bedeutung erlangt. Allenfalls in gewissen „dunklen Ecken“ würden Mißbrauchsversuche unternommen, die aber nach der bisherigen Rechtsprechung stets eine persönliche Haftung auslösten.

Die anschließende lebhafte Diskussion war durch Beiträge und Fragen derjenigen, die sich in ihrer täglichen Praxis mit grenzüberschreitenden gesellschaftsrechtlichen Sachverhalten auseinandersetzen, geprägt. Von einigen Praktikern wurde die These vertreten, dass das Gläubigerschutzsystem der Limited dem deutschen Recht überlegen sei. Andererseits war man sich aber einig, dass die Limited in Deutschland bislang nur geringe praktische Bedeutung hat und der Verwaltungsaufwand nicht zu unterschätzen sei. Insgesamt erwartet man mit Spannung die Ergebnisse der nun angestoßenen Reformdebatte, die Thema einer zukünftigen Veranstaltung sein werden.


Bericht von Dr. Jutta Lommatzsch

Veranstaltungsdetails

29.01.2004, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr
Verantwortlichkeit: